Voraussetzungen und Beispiele zur Anwendung der Kleinunternehmerregelung

Es ist eine der wesentlichen Voraussetzungen für die Anwendung der Kleinunternehmerregelung, dass die Umsatzgrenzen des § 19 UStG nicht überschritten werden. Doch wie wird diese Voraussetzung auf Grundlage der Umsatzgrenzen geprüft?

Inhalt:

1. Umsatzgrenzen der Kleinunternehmerregelung
2. Voraussetzungen für die Anwendung
3. Beispiele zur Anwendung in der Praxis

Die Umsatzgrenzen sind die wesentliche Größen, die über die Anwendung der Kleinunternehmerregelung in der Praxis entscheiden. Leider ist die gesetzliche Regelung des § 19 UStG nicht besonders klar formuliert, so dass in der Praxis oft Zweifel bestehen, ob die Kleinunternehmerregelung nun anwendbar ist oder nicht. 

1. Umsatzgrenzen für Kleinunternehmer

Die Umsatzgrenzen hinsichtlich der Anwendung der Kleinunternehmerregelung gem. § 19 UStG sind überschritten, wenn der

  • Umsatz im Vorjahr höher war als 17.500 EUR und
  • im laufenden Jahr voraussichtlich höher sein wird als 50.000 EUR.

Hierbei handelt es sich um Jahresbeträge, die entsprechend zu kürzen sind, wenn die Existenzgründung im Laufe des Jahres erfolgt. 

2. Voraussetzungen zur Anwendung

Bei der Prüfung der Voraussetzungen für die Anwendung der Kleinunternehmerregelung ist zunächst zu unterscheiden, ob der Unternehmer, der die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen will, im Vorjahr bereits unternehmerisch tätig war oder als Existenzgründer die unternehmerische Tätigkeit erst im laufenden Jahr aufgenommen hat.

Daher sind im wesentlichen folgende Fälle in der Praxis zu unterscheiden: 

a) Kleinunternehmer ist Existenzgründer

Im Gründungsjahr muss der Kleinunternehmer den Umsatz des laufenden Geschäftsjahres schätzen und auf Nachfrage des Finanzamts ggf. glaubhaft machen. Die Schätzung des Umsatzes im Gründungsjahr erfolgt in dem Fragebogen des Finanzamt zur steuerlichen Erfassung. Hinsichtlich der Anwendung der Kleinunternehmerregelung kommt es also zunächst auf die Angaben des Kleinunternehmers im Fragebogen des Finanzamts an. Überschreiten die geschätzten Angaben des Kleinunternehmer die Umsatzgrenze des § 19 UStG, scheidet die Anwendung der Kleinunternehmerregelung von vorherein schon aus. 

Im laufenden Geschäftsjahr der Gründung darf der Kleinunternehmer die Umsatzgrenze von EUR 17.500 nicht überschreiten. Im Jahr der Unternehmensgründung kommt es also allein auf den voraussichtlichen Jahresgesamtumsatz des laufenden Kalenderjahres an, der die Umsatzgrenze von 17.500 nicht überschreiten darf. Darüber hinaus sollte der Existenzgründer darauf achten, dass er für das nachfolgende Geschäftsjahr (d.h. für das 2. Wirtschaftsjahr) keinen höheren Umsatz als EUR 50.000 einträgt. 

b) Kleinunternehmer war bereits im Vorjahr selbständig

Nach Ablauf des 1. Wirtschaftsjahres muss der Kleinunternehmer den tatsächlichen Umsatz für das vorangegangene Jahr (= 1. Wirtschaftsjahr) ermitteln und dem Finanzamt mittels Umsatzsteuererklärung angeben. Überschreitet der Umsatz des Kleinunternehmers im Gründungsjahr die Umsatzgrenze von EUR 17.500, darf die Kleinunternehmerregelung im folgenden Wirtschaftsjahr schon nicht mehr in Anspruch genommen werden.

Liegt der tatsächliche Umsatz im Gründungsjahr zwar unter EUR 17.500, ist aber anzunehmen, dass der Umsatz im folgenden Jahr die Umsatzgrenze von EUR 50.000 überschreitet, darf die Kleinunternehmerregelung im Folgejahr ebenfalls nicht mehr in Anspruch genommen werden.

3. Beispiele zur Anwendung in der Praxis

a) Beispiel 1 = Kleinunternehmer im Gründungsjahr

Kleinunternehmer schätzt Jahresgesamtumsatz im Gründungsjahr auf EUR 17.500 (oder weniger)

Ergebnis: Im Gründungsjahr kann eine Vorjahresgrenze nicht geprüft werden. Zu Beginn der unternehmerischen Tätigkeit ist lediglich zu schätzen, ob im Gründungsjahr die Umsatzgrenze von EUR 17.500 überschritten wird. Daher ist die Anwendung der Kleinunternehmerregelung im 1. Wirtschaftsjahr (= Gründungsjahr) möglich, weil die allein maßgebliche Umsatzgrenze im Gründungsjahr nicht überschritten wird. Es besteht also ein Wahlrecht.

b) Beispiel 2 = Kleinunternehmer im 2. Geschäftsjahr

Kleinunternehmer erzielt tatsächlichen Umsatz im Gründungsjahr i.H.v. EUR 17.500 (oder weniger) und schätzt Umsatz im 3. Wirtschaftsjahr auf EUR 50.000 (oder weniger).

Ergebnis: Zu Beginn des Wirtschaftsjahres ist zu prüfen, ob im vorangegangen Wirtschaftsjahr die Umsatzgrenze von EUR 17.500 überschritten wurde. Ist dies nicht der Fall, ist im 2. Schritt abzuschätzen, ob der Umsatz im folgenden Wirtschaftsjahr die Grenze von EUR 50.000 überschreiten wird. Die Anwendung der Kleinunternehmerregelung im 2. Wirtschaftsjahr ist weiterhin möglich, wenn der Kleinunternehmer sein Wahlrecht im Gründungsjahr dahingehend ausgeübt hat, dass er als Kleinunternehmer tätig wird.

c) Beispiel 3 = Kleinunternehmer im 3. Geschäftsjahr

Kleinunternehmer erzielt tatsächlichen Umsatz im 2. Wirtschaftsjahr i.H.v. EUR 19.000 und schätzt Umsatz im 3. Wirtschaftsjahr auf EUR 50.000 (oder weniger).

Ergebnis: Die Anwendung der Kleinunternehmerregelung ist im 2. Wirtschaftsjahr noch möglich, im 3. Wirtschaftsjahr jedoch nicht mehr. Der Kleinunternehmer hat im 2. Wirtschaftsjahr die Umsatzgrenze von EUR 17.500 überschritten. Auf die Schätzung im folgenden Wirtschaftsjahr kommt es nicht mehr an.

Der Kleinunternehmer muss jeweils im folgenden Jahr gegenüber dem Finanzamt nachweisen, dass er die Umsatzgrenzen gem. § 19 UStG nicht überschritten hat. Wurde die Umsatzgrenze im Vorjahr überschritten (oder ist anzunehmen, dass sie im laufenden Wirtschaftsjahr überschritten wird), darf die Kleinunternehmerregelung nicht mehr angewendet werden. Dann entfällt das Wahlrecht zur Anwendung der Kleinunternehmerregelung und der Kleinunternehmer muss wie üblich auf allen Rechnungen die Umsatzsteuer ausweisen und an das Finanzamt abführen. 


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