Alternativen zum Bankkredit
Gerade für Kleinunternehmer und mittelständische Betriebe war es schon in der Vergangenheit schwierig, bei einer Bank einen Kredit zu erhalten. Diese Situation hat sich in der derzeitigen Wirtschaftskrise nicht verbessert. Umso wichtiger ist es, die Alternativen zur klassischen Finanzierung mittels Bankkredit zu kennen.
Unternehmen in der Krise sind meist auf schnelle finanzielle Hilfe angewiesen. Die klassische Finanzierung über den Bankkredit findet heute jedoch nicht mehr so schnell und unbürokratisch statt. Zuvor müssen umfangreiche Unterlagen erstellt werden, angefangen von aktuellen betriebswirtschaftlichen Auswertungen über Liquiditätspläne bis hin zum aktuellen Jahresabschluss. Befindet sich ein Unternehmen jedoch in der Liquiditätskrise, sieht es mit aktuellen Zahlen aus dem Rechnungswesen in der Regel auch nicht gerade vorbildlich aus. Nach einer Auswertung des Münchner IFO Institut sind etwa 40% der befragten Unternehmen mit einer restriktiven Kreditvergabe ihrer Hausbank konfrontiert. Der Bedarf an alternativen Finanzierungsmöglichkeiten ist daher bereits heute größer denn je und wird auch in Zukunft eine wichtige Stellung in der Unternehmensfinanzierung haben.
1. Bankkredit
Der Bankkredit ist nach wie vor das klassische Instrument für kleine und mittelständische Unternehmen zur Finanzierung des Anlagevermögen und Umlaufvermögen. In Deutschland wird der Finanzierungsbedarf der Unternehmen in der Regel durch einen Bankkredit gedeckt.
Der Bankkredit ist vor allem dann geeignet, wenn es um die Finanzierung langfristiger Investitionen geht, die für den Bestand oder das Wachstum des Unternehmen unbedingt notwendig sind. Der große Vorteil des Bankkredit ist dessen flexible Anpassung an die individuelle Situation des Unternehmen, sowohl aus Sicht der Bank als auch aus Sicht des Unternehmen.
Die Nachteile des Bankkredit habe ich bereits oben angesprochen. Diese liegen vor allem beim zunehmenden Aufwand hinsichtlich der Dokumentation bezüglich der Liquidität und der Sicherheiten. Gerade angeschlagene Unternehmen mit Finanzierungsschwierigkeiten zahlen hohe Aufschläge wegen schlechter Bonität.
2. Leasing
Das Leasing ist dadurch gekennzeichnet, dass der Leasingnehmer (Unternehmen) das Investitionsgut vom Leasinggeber (Leasinggesellschaft) für eine bestimmte Zeit "mietet" und dafür eine Leasinggeühr bezahlt. Je nach Art des Leasingvertrages kann der Leasingnehmer den Leasinggegenstand zum Ende der Laufzeit zu einem bestimmten Restwert übernehmen.
Leasing ist vor allem geeignet bei der Finanzierung hochwertiger mobiler Wirtschaftsgüter des Anlagevermögen, insbesondere bei Kfz und teuren Maschinen. Auch die Finanzierung hochwertiger EDV wird häufig über Leasing realisiert.
Mittels Finanzierung durch Leasing können Unternehmen wichtige Wirtschaftsgüter des Anlagevermögen anschaffen oder erneuern, ohne dadurch die liquiden Mittel sofort zu belasten. Die Leasingraten sind fest und daher gut kalkulierbar. Darüber hinaus können die Leasingkosten steuermindernd abgesetzt werden. Bis jetzt ist der Dokumentationsaufwand gegenüber den Leasinggesellschaften deutlich geringer als beim Bankkredit.
3. Factoring
Beim Factoring verkauft das Unternehmen seinen Bestand an Forderungen oder einen Teil davon an ein Factoringunternehmen und erhält als Gegenleistung den Nennbetrag der Forderungen abzüglich eines Risikoabschlags von etwa 20%. Sobald der Schuldner die Forderung an das Factoringunternehmen bezahlt hat, erhält das Unternehmen den Rest der Forderung, abzüglich der Gebühren und Zinsen für das Factoring.
Die Finanzierung über Factoring ist vor allem dann sehr geeignet, wenn es sich um eine Vielzahl kleiner Schuldner handelt und die Liquidität aus den Forderungen stets schnell zur Verfügung stehen muss. Durch das Factoring überträgt das Unternehmen das Forderungsmanagement auf einen professionellen Dienstleister, der im Umgang mit Schuldnern professionell arbeitet. Dadurch lassen sich im Unternehmen die üblicherweise hohen Kosten des Forderungsmanagement vermeiden.
Da das Factoringunternehmen in der Regel nach einem standardisierten Ablauf mit den Schuldnern und ohne Rücksicht auf möglicherweise lange Kundenbeziehungen handelt, können hier gewachsene Strukturen zwischen Unternehmen und Kunden beschädigt werden.
4. Lieferantenkredit
Der Lieferantenkredit ist zugegebenermaßen kein echtes Mittel zur Finanzierung von Anlagevermögen oder Umfaufvermögen. Zur Vollständigkeit soll dennoch auf diese Möglichkeit hingewiesen werden.
Der Lieferantenkredit ist vor allem dann angesagt, wenn es um die Überbrückung eines kurzfristigen Liquiditätsengpass geht. Die Vorteile sind nur von kurzfristiger Natur, aber im Notfall sehr effektiv. Vor allem beim schnellen Weiterverkauf der finanzierten Waren kann ein deutlicher Liquiditätsschub entstehen.
Beim Verzicht auf einen Skontoabzug handelt es sich um eine sehr teure Lösung der Finanzierung.
5. Mezzanine
Mezzanzine-Kapital ist eine Mischung aus Eigenkapital und Fremdkapital. Die Unternehmen erhalten durch Ausgabe von Genussscheinen, Anleihen oder durch Stille Beteiligungen Eigenkapital, ohne dass die Kapitalgeber Einflussrechte auf das Unternehmen erlangen.
Mezzanine-Kapital bietet sich vor allem zur Wachstumsfinanzierung an oder zur Erschließung neuer Märkte. Die Vermögenslage des Unternehmen verbessert sich Mezzanine-Kapital deutlich, weil das Kapital in der Bilanz als Eigenkapital verbucht werden kann.
Mezzanine-Kapital ist meist teurer und in der Regel nur befristet verfügbar.
6. Private Equity
Im Rahmen des Private Equity erhalten Unternehmen Eigenkapital durch Beteiligungsgesellschaften ohne bankübliche Sicherheiten.
Die Finanzierungsform Private Equity steht in der Regel nur sehr wachstumsstarken Unternehmen zur Verfügung, bei denen zu wenig oder keine Sicherheiten zur Vergügung stehen, um eine Expansion auf andere Weise zu finanzieren. Es handelt sich als um Risikokapital.
Beteiligungskapital ist Eigenkapital und verbessert so die Vermögenslage und die Bilanzstruktur des Unternehmen. Gleichzeitig erhalten die Unternehmen in der Regel auch wichtige Kontakte und Knowhow für ein nachhaltiges Wachstum des Unternehmen.
Der Kapitalgeber wird das Kapital nur zur Verfügung stellen, wenn die Situation des Unternehmen laufend und aktuell anhand von betriebswirtschaftlichen Auswertungen und Rechenschaftsberichten dokumentiert wird. Oft sichert sich der Investor auch Mitspracherechte im laufenden Geschäft, was zu Differenzen bei der Leitung des Unternehmen führen kann.
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