Checkliste zur Existenzgründung
Die folgende Checkliste für Existenzgründer vermittelt einen kurzen Überblick über die Etappen auf dem Weg in die Selbständigkeit, egal ob als Kleinunternehmer, als Freiberufler, als Künstler oder als "großer" Unternehmer. Diese Checkliste ist nicht nur ein Leitfaden bei der Vorbereitung der Existenzgründung, sondern auch hilfreich, um die notwendigen Schritte und Aufgaben in der richtigen Reihenfolge zu erledigen.
Inhalt der Checkliste:
1. Unternehmertest und Geschäftsidee2. Standort, Standort, Standort
3. Richtige Rechtsform
4. Businessplan
5. Fördermittel und Finanzierungshilfen
6. Gewerbeanmeldung und andere Formalitäten
7. Teilhaber Finanzamt
8. Versicherungen
9. Marketing und Werbung
1. Unternehmertest und Geschäftsidee prüfen
An erster Stelle der Checkliste für Existenzgründer steht ein Unternehmertest und die Analyse der Geschäftsidee. Das wichtigste für eine erfolgreiche Existenzgründung ist ein von sich (zu Recht) überzeugter Unternehmer und eine erfolgreiche Geschäftsidee. Beides ist zugleich wichtig. Das eine kann ohne das andere nicht existieren. Ein noch so guter Unternehmer wird ohne eine überzeugende Geschäftsidee scheitern und eine Geschäftsidee kann noch so gut sein, ein ungeeigneter Unternehmer wird sie nicht erfolgreich umsetzen können. Daher fängt eine gute Vorbereitung der Existenzgründung immer mit einem Unternehmertest an, gefolgt von einer professionellen Prüfung und Analyse der Geschäftsidee.
2. Standort, Standort, Standort
Der Standort ist im realen Leben für ein Unternehmen fast alles, insbesondere bei regelmäßigem Kundenkontakt. Das gleiche gilt für das Business im Internet, wo sich der Standort durch das Ranking bei Google bestimmt. Produkte und Diestleistungen ohne Kunden lassen sich nicht verkaufen, davon hängt jedoch der Erfolg des Unternehmens ab. Daher ist die nächste Aufgabe im Rahmen der Checkliste, den Standort auf Herz und Nieren zu überprüfen. Wie ist die Verkehrsanbindung, gibt es Parkplätze, wie hoch sind die Löhne, gibt es Konkurrenz und wo, gibt es Räume zum Mieten? Für das Internet gilt: Ohne SEO geht (fast) garnichts.
3. Richtige Rechtsform wählen
An nächster Stelle auf der Checkliste steht die Wahl der geeigneten Rechtsform, die einer sorgfältigen Analyse und Bewertung der zur Verfügung stehenden Rechtsformen bedarf. Die Rechtsform prägt nicht nur die zukünftige Entwicklung des Unternehmens, sondern auch das Erscheinungsbild nach außen. Nach der grundsätzlichen Entscheidung über die richtige Rechtsform muss diese an die individuellen Besonderheiten des Unternehmen angepasst und optimiert werden. Das deutsche Gesellschaftsrecht lässt hier weitreichenden Gestaltungsspielraum zu.
Folgende zentrale Kriterien stehen zu Beginn der Selbständigkeit im Vordergrund:
- Möglichkeit zur steuerlichen Verlustverrechnung mit anderen Einkünften in der Anfangsphase
- Haftungsbeschränkung
- Flexible Gestaltung
Tipp: Idealerweise erfolgt die Wahl der richtigen Rechtsform nach einer sorgfältigen Analyse der Zielvorstellungen und einer fachmännischen Bewertung der Alternativen hinsichtlich der Anforderungen an das Unternehmen.
4. Schriftlicher Businessplan
Auf der Checkliste für eine gut vorbereitete Existenzgründung steht auf jeden Fall ein schriftlich ausgearbeiteter Businessplan, der in den meisten Fällen ohnehin ein unverzichtbarer Bestandteil einer Existenzgründung ist. Wer bei der Agentur für Arbeit einen Gründungszuschuss oder ein Einstiegsgeld beantragt oder für die Gründungsphase finanzielle Mittel von Kreditinstituten braucht, kommt an der Erstellung eines vollständigen Businessplans in der üblichen Form und mit logischem Aufbau sowieso nicht vorbei.
Achtung: Auch Existenzgründer mit erfolgversprechender Geschäftsidee erhalten keine Unterstützung, wenn der Businessplan gravierende Fehler aufweist. Beim Businessplan geht es weniger um die Bezifferung quantitativer Größen, sondern vielmehr um die möglichst detaillierte Beschreibung der Geschäftsidee und deren beabsichtigte Umsetzung, unterlegt mit Zahlenmaterial zum Beweis der positiven Tragfähigkeit des Unternehmenskonzept.
5. Fördermittel und Finanzierungshilfen beantragen
Finanzierungshilfen und Fördermittel vom Staat sind bare Geschenke für Existenzgründer und gehören daher unbedingt auf eine Checkliste zur Existenzgründung. Manche Existenzgründung scheitert, weil sich der Gründer zu eitel war, Ämtern die notwendigen Unterlagen vorzulegen oder schlicht aus Unwissenheit nichts über die finanziellen Hilfen und Möglichkeiten wusste. Rechtzeitig infomieren über die Voraussetzungen, da Geld bei Beginn der Selbständigkeit sehr wichtig ist. Gerade Existenzgründer aus der Arbeitslosigkeit erhalten mit dem Gründungszuschuss oder mit dem Einstiegsgeld wertvolle Unterstützung auf dem Weg in die Selbständigkeit.
Folgende Fragen stehen absolut im Vordergrund und müssen auch im Businessplan abgearbeitet werden:
- Höhe des Kapitalbedarf?
- Sind Eigenmittel oder
- Sicherheiten vorhanden?
- Ist die Liquidität stets gewährleistet?
Tipp: Wer bei seiner Hausbank beim ersten Anlauf scheitert, sollte nicht aufgeben. Ich habe viele Existenzgründungen erlebt, bei denen mehr als 5 Geschäftsbanken abgelehnt haben und die 7. hat das Konzept mitgetragen und die beantragten Darlehens- und Fördermittel gewährt. Zur Not helfen auch professionelle Förderberater bei der Auswahl der geeigneten Banken und bei der Vorbereitung der Unterlagen.
6. Gewerbeanmeldung und andere Formalitäten
Wenn die Finanzierung steht, können auch schon die Formalitäten der Existenzgründung auf der Checkliste abgearbeitet werden, an erster Stelle die Gewerbeanmeldung. Trotz Gewerbefreiheit in Deutschland muss sowohl die Aufnahme eines erlaubnisfreien Gewerbe als auch eines genehmigungspflichtigen Gewerbe beim Gewerbeamt der zuständigen Gemeinde angemeldet bzw. beantragt werden. Die Anmeldung kann schon vor Beginn der Selbständigkeit, also vor der tatsächlichen Aufnahme des Gewerbe erfolgen. Bei einem genehmigungspflichtigen Gewerbe ist das sogar empfehlenswert.
Zuständig ist meist das Gewerbeamt der Gemeinde, in dessen Gebiet der Sitz des Unternehmens sein wird. Die Erteilung eines Gewerbescheins kostet in Deutschland je nach Gemeinde zwischen 15 Euro und 40 Euro.
Das "schöne" an der Gewerbeanmeldung ist die Tatsache, dass man dadurch auf einen Schlag eine Menge Bürokratie erledigt, denn die Gemeinde gibt die vom Existenzgründer gemeldeten Daten regelmäßig an folgende Behörden weiter:
- Zuständiges Finanzamt,
- Industrie- und Handelskammer oder Handwerkskammer,
- Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften,
- Allgemeine Ortskrankenkasse,
- Registergericht,
- Statistisches Landesamt.
Den entsprechenden Gewerbeschein erhält man sofort, spätestens jedoch innerhalb von 3 Tagen, sofern es sich um einen erlaubnisfreien Gewerbebetrieb handelt. Bei einem erlaubnispflichtigen Gewerbe dauert die Prüfung der Voraussetzungen in der Regel deutlich länger.
7. Von Anfang an den Teilhaber Finanzamt beachten
Existenzgründer brauchen von Anfang an jeden Euro, die Liquidität muss jederzeit sicher gestellt sein. Wer den stillen Teilhaber Finanzamt nicht beachtet, muss sehr bald große Liquiditätsprobleme bewältigen. Jeder Existenzgründer sollte sich daher frühzeitig mit dem unternehmensrelevanten Steuerrecht vertraut machen und sich nicht ohne jegliches Wissen einem Steuerberater ausliefern. Dazu gehört, dass der Existenzgründer zumindest die wichtigsten Grundsätze des Unternehmenssteuerrecht kennt und Begriffe wie Einkommensteuer, Umsatzsteuer, Betriebsausgaben, Gewinnermittlung, Buchführung etc. keine großen Geheimnisse bleiben.
Sobald das Finanzamt von dem neu gegründeten Gewerbe Kenntnis erlangt hat, werden in einem Fragebogen zu steuerlichen Erfassung zahlreiche Angaben zum Unternehmer und zum Unternehmen abgefragt. Diese Daten dienen dem Finanzamt, das Unternehmen hinsichtlich der Steuerpflicht im Rahmen der Einkommen-, Umsatz- und Gewerbesteuer, zu erfassen und etwaige Vorauszahlungen festzusetzen. Sobald dem Finanzamt der ausgefüllte Fragebogen vorliegt, erteilt das Finanzamt eine Steuernummer, die in der Regel für alle Steuerarten gültig ist. Inzwischen ist diese Steuernummer von großer Bedeutung, da sie für eine ordnungsgemäße Rechnung erforderlich ist.
8. Versicherungen: Jetzt leben, die Zukunft absichern
Selbständige Unternehmer, Freiberufler oder Künstler müssen für ihre Zukunft eigenverantwortlich sorgen. Versicherungen spielen dabei eine wichtige Rolle. Zur unverzichtbaren Grundausstattung gehören sicherlich eine Haftpflichtversicherung sowie eine private Kranken- und Pflegeversicherung.
Ob sich Existenzgründer darüber hinaus durch eine Berufsunfähigkeitsversicherung gegen bestimmte berufsspezifische Risiken absichern und von Anfang an eine Altersvorsorge aufbauen müssen, ist Geschmackssache und muss jeder für sich beurteilen.
Tipp: Vergleichen, vergleichen, vergleichen. Gerade Existenzgründer unterschätzen die Beitragsunterschiede zwischen den einzelnen Versicherungen. Diese können jedoch gewaltig sein und über Erfolg und Misserfolg des Unternehmens mitentscheidend sind. Vor jeder neuen Versicherung sollte daher ein "Tarifcheck Versicherungen" (am besten durch einen unabhängigen Berater) erfolgen, der auch die kleingedruckten Versicherungsbedingungen einschätzen kann. Versicherungen schützen in erster Linie vor einem "Unglück", das hoffentlich nie eintreten wird. Es gilt daher: Beste Leistung für möglichst wenig Geld, gerade in der Phase der Existenzgründung.
9. Marketing und Werbung
Werbung in der richtigen Form und in der richtigen Menge ist das Salz in der Suppe.
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