Wer ist Freiberufler?

Über die Definition der Freiberufler besteht immer wieder Unklarheit, weil es keine abschließende Aufzählung aller freien Berufe gibt. Nachfolgend habe ich einen Überblick über die freiberuflichen Katalogberufe und die anerkannten ähnlichen Berufe zusammengestellt.

Bis heute gibt es keine verbindlichen Regeln, um die freien Berufe von gewerblichen Tätigkeiten zu unterscheiden. Der Begriff Freiberufler ist nach Auffassung des BVerfG soziologischer Natur, nicht eindeutig abgrenzbar und unterliegt einem stetigen Wandel. Es wird daher nie eine abschließende Aufzählung aller freien Berufe geben. 

Allgemeine Grundsätze

Hilfreich ist jedoch die Definition der freien Berufe, die der Gesetzgeber in § 1 Abs. 2 des PartnerschaftsG aufgenommen hat:

”Die freien Berufe haben im allgemeinen auf der Grundlage besonderer beruflicher Qualifikation oder schöpferischer Begabung die persönliche, eigenverantwortliche und fachlich unabhängige Erbringung von Dienstleistungen höherer Art im Interesse der Auftraggeber und der Allgemeinheit zum Inhalt.”

Vor der Realisierung einer Existenzgründung als Freiberufler lautet die wichtigste Frage:

"Wer ist Freiberufler? Ist meine beabsichtigte Tätigkeit freiberuflich oder gewerblich?“

Die Antwort ist wesentlich für viele weitere Fragen im Verlauf der Existenzgründung und bedarf daher einer sorgfältigen Analyse, sofern es sich nicht um einen klassischen Katalogberuf oder einen anerkannten ähnlichen Beruf handelt. Primär handelt es sich auch um eine steuerrechtliche Entscheidung.

Katalogberufe gem. § 18 Abs. 1 EStG

In § 18 Abs. 1 EStG befindet sich eine steuerrechtliche Aufzählung sog. Katalogberufe, welche aber nicht abschließend ist, sondern durch den Verweis auf ähnliche Berufe eine offene Natur hat. Es gelten jedoch folgende Anforderungen, damit eine nicht kategorisierte Tätigkeit als freier Beruf anerkannt wird. Der ähnliche Beruf muss dem Katalogberuf in allen wesentlichen Punkten entsprechen, d. h. er muss die Wesensmerkmale eines konkreten Katalogberufs zumindest nahezu vollständig enthalten. Dazu gehören insbesondere:

  • leitende und eigenverantwortliche Tätigkeit auf Grund eigener Fachkenntnisse,
  • eigene Erbringung berufstypischer Leistungen in ausreichenden Umfang und
  • vergleichbare Ausbildung oder eine für die Ausübung vergleichbare amtliche Erlaubnis.

Sind die genannten Kriterien bei der entsprechenden Tätigkeit nicht erfüllt, liegt in der Regel eine gewerbliche Tätigkeit vor.

Die Katalogberufe des § 18 Abs. 1 EStG werden in folgende Gruppen eingeteilt:

a) Freie Heilberufe

Zu den freien Heilberufen gehören:

  • Arzt
  • Zahnarzt
  • Tierarzt
  • Apotheker
  • Heilpraktiker
  • Krankengymnast
  • Hebamme
  • Heilmasseur
  • Diplom- Psychologe
  • Psychotherapeut
  • Krankenpfleger
  • Logopäde
  • Beschäftigungs- und Arbeitstherapeut
  • Ergotherapeut

b) Freie rechts-, steuer- und wirtschaftsberatende Berufe

Zu den freien rechtsberatenden, steuerberatenden und wirtschaftsberatenden Berufen gehören:

  • Rechtsanwalt
  • Rechtsbeistand
  • Notar
  • Patentanwalt
  • Wirtschaftsprüfer
  • Vereidigter Buchprüfer
  • Steuerberater
  • Steuerbevollmächtigter
  • Unternehmensberater
  • Wirtschaftsberater
  • Werbeberater
  • Verkaufsförderer und –trainer
  • EDV- Berater
  • Marktforscher

c) Freie technische und naturwissenschaftliche Berufe

Zu den freien technischen und naturwissenschaftlichen Berufen gehören:

  • Architekt
  • Beratende Ingenieure
  • Erfinder
  • Technischer Sachverständiger
  • Handelschemiker
  • Lotse
  • Umweltgutachter
  • Vermessungsingenieur
  • Markscheider
  • Baustatiker
  • Kfz- Sachverständiger
  • Gartenarchitekt

d) Freie künstlerische, publizistische und pädagogische Berufe

Zu den freien künstlerischen, publizistischen und pädagogischen Berufen gehören:

  • Schriftsteller
  • Journalist
  • Bildberichterstatter
  • Bildhauer
  • Dolmetscher
  • Übersetzer
  • Lehrer
  • Erzieher und Pädagogen
  • Fahrlehrer
  • Musiker
  • Bildende Künstler
  • Desginer
  • Illustrator
  • Kameramann
  • Layouter
  • Modeschöpfer
  • Synchronsprecher
  • Tontechniker
  • Drehbuchautor
  • Visagist
  • Werbefotograf
  • Zauberer

Im Übrigen werden von der Finanzverwaltung ohne weitere Nachprüfung Tätigkeiten im Bereich der bildenden Künste anerkannt, wenn der Künstler eine abgeschlossene Ausbildung an einer Kunsthochschule, einer Akademie für bildende Künste, einer Werkschule oder einer Werkkunstschule nachweisen kann.

Anerkannte „ähnliche Berufe“

Zu den anerkannten ähnlichen Berufen gehören z.B. Altenpfleger, Audio-Psycho-Phonologe, Auslandsgeschäftsberater, Bildberichterstatter, Geburtsvorbereiterin, Podologe, Medizinische Fußpfleger oder Software-Entwickler.


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