Unternehmertest

Der Unternehmertest ist bei der Vorbereitung einer Existenzgründung eine wichtige Hilfe, um in einem frühen Stadium den zukünftigen Erfolg eines Start-Ups einzuschätzen, da dieser von den individuellen Voraussetzungen und Eigenschaften des zukünftigen Inhabers oder Geschäftsführers abhängig ist.

Inhalt:

Bausteine eines Unternehmertests:

a) Ausbildung
b) Kaufmännische Qualifikationen
c) Branchen- und/oder Berufserfahrung
d) Kommunikationsfähigkeit und Verhandlungsgeschick
e) Unternehmerbewusstsein
f) Privates und berufliches Umfeld
g) Stabile Persönlichkeit

Zu einer sorgfältigen Vorbereitung der Existenzgründung gehört eine selbstkritische Einschätzung, ob man die folgenden Merkmale schon mitbringt oder noch an sich arbeiten muss. Sofern hier noch Zweifel bestehen, ist ein sog. Unternehmertest oder Gespräche mit Beratern der Kammern, mit befreundeten Selbständigen und mit Familienangehörigen hilfreich

Bausteine eines Unternehmertests

Erfolgreiche Unternehmer müssen mehr vorweisen als „nur“ gute Fachkenntnisse und spezifisches Branchenwissen. Kaufmännisches Wissen ist ebenso wichtig wie Verkaufstalent oder Geschick in Verhandlungen. Ein klarer Überblick über Umsatz, Kosten und Erträge sowie regelmäßiges Controlling stehen auf einer Stufe mit den persönlichen Eigenschaften des Inhabers oder Geschäftsführers. Ein selbständiger Unternehmer muss in der Lage sein, private Interessen zurückzustellen, sich stets aufs Neue selbst zu motivieren und auch in Krisen Durchhaltevermögen zu beweisen. Kurz gesagt: Ein erfolgreicher Unternehmer ist ein Allround-Talent. Sehr wichtig für den Erfolg ist auch die Fähigkeit des Unternehmers, stets vor der Konkurrenz die wesentlichen und richtigen Entscheidungen zu treffen. Dazu gehört, neue Entwicklungen und Trends früher zu erkennen, im eigenen Unternehmen zu integrieren und schließlich zum Erfolg zu führen. Wichtige Faktoren für den Erfolg sind in jedem Fall

  • ein gutes „Gespür“ für Geschäftschancen,
  • eine stabile Persönlichkeit,
  • überdurchschnittliche Tatkraft und
  • der unbedingte Wille zum Erfolg.

Die notwendigen spezifischen Qualifikationen sind natürlich zunächst abhängig vom jeweiligen Beruf und der Branche. Daneben gibt es jedoch einige Qualifikationen und Anforderungen, die den erfolgreichen von dem durchschnittlichen oder erfolglosen Unternehmer unterscheiden. Orientiert man sich an den Eigenschaften erfolgreicher Unternehmer, lassen sich immer wieder folgende Eigenschaften finden, die den Unterschied zwischen Durchschnitt und Spitze ausmachen:

  • Selbstdisziplin,
  • Zielstrebigkeit,
  • besondere Kommunikationsfähigkeiten,
  • Kreativität und
  • Risikobewusstsein.

Erfolgreiche Unternehmer fühlen sich in ihrem Markt zuhause und zeigen keine Unsicherheit beim Umgang mit ihren Mitarbeitern und Kunden. Fachliches und kaufmännisches Wissen sind von Anfang an vorhanden oder werden schnell erarbeitet, da solide fachliche und kaufmännische Kenntnisse unerlässlich für einen erfolgreichen Unternehmer sind.

a) Ausbildung

Insbesondere im Bereich der Freiberufler ist der erfolgreiche Einstieg in die Selbständigkeit davon abhängig, dass die einschlägigen Ausbildungsvoraussetzungen vorhanden sind. Eine Zulassung als Arzt oder Rechtsanwalt setzt z.B. voraus, dass die entsprechenden Befähigungsnachweise vorliegen. Das gleiche gilt für solche freien Berufe, die nur nach entsprechender Ausbildung ausgeübt werden dürfen, z.B. Podologen, Heilpraktiker/-innen, Altenpfleger/-innen usw.

b) Kaufmännische Qualifikationen

Der zukünftige Unternehmer kommt früher oder später in Berührung mit Fragen der Betriebswirtschaft, insbesondere mit den Themen

  • Buchführung,
  • Kostenrechnung,
  • Materialwirtschaft,
  • Marketing,
  • Vertrieb,
  • Finanzierung,
  • Versicherungen und
  • Unternehmensbesteuerung.

Die frühzeitige Auseinandersetzung mit den wesentlichen Begriffen und Themen kann daher hilfreich sein, um zu vermeiden, dass für eine Vielzahl von betrieblichen Entscheidungen ein externer Berater erforderlich wird. Mindestens erleichtert ein kaufmännisches Grundwissen die Zusammenarbeit mit dem Steuerberater, Rechtsanwalt oder Unternehmensberater, falls diese doch notwendig werden.

c) Branchen- und/oder Berufserfahrung

Gründer mit Berufs- und/oder Branchenerfahrung haben in jedem Fall einen deutlichen Vorteil gegenüber denen, die sich als sog. Quereinsteiger selbständig machen wollen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass eine erfolgreiche Unternehmerkarriere ohne einschlägige Berufs- oder Branchenerfahrung nicht möglich ist. Dessen ungeachtet muss jeder Unternehmer früher oder später in folgenden Bereichen einschlägiges Wissen oder Erfahrungen haben:

  • Produktion/Einkauf,
  • Marketing/Verkauf,
  • Finanzen/Buchführung/Besteuerung und
  • Management/Unternehmensführung.

Je früher und tiefer das notwendige Wissen gegeben ist, desto eher wird der Unternehmer die Früchte ernten können.

d) Kommunikationsfähigkeit und Verhandlungsgeschick

Vor allem in der ersten Phase der Existenzgründung sind persönliche Eigenschaften wie Kommunikationsfähigkeit und Verhandlungsgeschick sehr wichtig. Der Existenzgründer kommt mit vielen wenig bekannten oder sogar absolut unbekannten Menschen in Kontakt und muss innerhalb kürzester Zeit soziale Beziehungen zu

  • Lieferanten,
  • Beratern und
  • Kunden

aufbauen. Schon bei der eigentlichen Gründung des Unternehmens kommt der Gründer mit Personen in Berührung, die er von seiner Geschäftsidee überzeugen muss, insbesondere Banker und Kunden. Der Gründer muss ein Gespür dafür entwickeln, mit welchen Äußerungen und mit welchem Verhalten er sein Gegenüber überzeugen kann.

e) Unternehmerbewusstsein

Erfolgreiche Unternehmer müssen schnell lernen, andere Menschen zu führen und zu motivieren. Dazu benötigt er ein gesundes Maß an Begeisterungsfähigkeit und Überzeugungskraft. Unternehmer müssen für ihr Handeln die Verantwortung übernehmen und dies auch nach außen dokumentieren. Dazu gehört ein gewissenhaftes und zuverlässiges Auftreten gegenüber allen Geschäftspartnern, auch in schwierigen Situationen. Die Einhaltung von Terminzusagen, Qualitätsvereinbarungen, Verfahrensabsprachen ist gerade für einen Existenzgründer das A & O. Wer hier nachlässig in Erscheinung tritt, wird vor allem als Existenzgründer schnell bestraft. Gerade in der Anfangsphase wird von einem Existenzgründer grenzenloser Einsatz für das Unternehmen erwartet.

f) privates und berufliches Umfeld

Der Eintritt in die Selbständigkeit verändert den Alltag eines Unternehmers. Davon ist nicht nur der Unternehmer selbst, sondern auch dessen privates Umfeld betroffen: dazu gehören auf jeden Fall die Familie, Partner und Freunde. Daher ist auch ein stabiles Umfeld äußerst wichtig, damit sich der angehende Unternehmer nicht schon zu Beginn seiner Karriere vor einem Scherbenhaufen wieder findet.

g) stabile Persönlichkeit

Unternehmer sind unabhängig und daher stets auf sich selbst gestellt. Das gilt natürlich vor allem für Existenzgründer, die sich als Einzelunternehmer oder als geschäftsführende Gesellschafter einer Ein-Mann-GmbH selbständig machen. Insbesondere zu Beginn der Selbständigkeit werden auch schwierige Phasen auftreten und die Erfahrung zeigt, dass nur solche Gründer diese Zeiten überstehen, die sich mit ihrer Selbständigkeit einen lang gehegten Traum erfüllen und diesen Schritt zum eigenen Unternehmen sorgfältig vorbereitet haben.


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