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Die Festsetzung von Vorauszahlungen – sei es in der Einkommensteuer, Körperschaftsteuer oder Gewerbesteuer – kennt man ja als erfahrener Selbständiger schon, aber Existenzgründer und junge Unternehmer sind mit dem Begriff „Vorauszahlung“ meist noch nicht so vertraut. Gerade ehemalige Angestellte sind es gewohnt, daß die Lohnsteuer vom Gehalt abgezogen wird und sie sich daher mit Steuern während des Jahres nicht beschäftigen müssen. Ganz anders ist das jedoch in der Selbständigkeit, wo der Freiberufler oder Unternehmer – neben den Umsatzsteuervorauszahlungen – mit vierteljährlichen Einkommensteuer-Vorauszahlungen konfrontiert ist.

Bei der GmbH oder Unternehmergesellschaft sind das entsprechend die vierteljährlichen Körperschaftsteuer-Vorauszahlungen. Das Tückische an der Festsetzung der Vorauszahlungen auf Einkommensteuer, Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer ist die schematische Unterstellung des Finanzamts, daß die Gewinne eines Selbständigen oder Unternehmens ohne wesentliche Änderungen sprudeln. In der Praxis sieht das jedoch oft anders aus, weil auf gute Jahre auch schlechte Jahre folgen und umgekehrt. Beides beinhaltet seine Gefahren für ein Unternehmen.

Gewinne brechen ein

Folgt auf ein gutes, ertragreiches Wirtschaftsjahr ein schlechtes mit deutlich geringeren Gewinnen, muß der Freiberufler bzw. Unternehmer selbst aktiv werden und die festgesetzten Vorauszahlungen auf Einkommensteuer, Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer an die tatsächliche Ertragslage anpassen lassen. Das angehende IV. Quartal eines Wirtschaftsjahres ist hierfür meist die beste Gelegenheit, um eine Herabsetzung der Vorauszahlungen zu beantragen. In der Regel ist eine BWA zum Ende des III. Quartals oder zum 30.09. bzw. 31.10. ausreichend, um dem Finanzamt die veränderte Ertragslage zu dokumentieren. Schnell noch einen Antrag auf Herabsetzung der Vorauszahlung geschrieben (Muster hier erhältlich), kann man sich die Vorauszahlung für das IV. Quartal sparen. Es gibt natürlich auch noch dramatischere Fälle, wo z.B. zu Beginn eines Wirtschaftsjahres einer der größten Kunden oder Auftraggeber weggefallen ist und sich der Gewinn des Vorjahres sehr wahrscheinlich in einen Verlust im laufenden Jahr verwandelt. Hier muß/kann der Unternehmer natürlich auch noch früher reagieren und die Vorauszahlungen für das gesamte Jahr aufheben lassen.

Gewinne steigen schnell

Es gibt jedoch auch die Fälle, in denen ein Existenzgründer oder ein junges Unternehmen schnell wächst mit erheblichen Steigerungen bei Umsatz und Gewinn. In diesen Fällen sind die festgesetzten Vorauszahlungen meist zu gering angesetzt. Gerade bei schnell wachsenden Existenzgründern ohne entsprechende Vorauszahlungen kann das im 2. Geschäftsjahr erhebliche Liquiditätsprobleme mit sich bringen, wenn keine Rücklagen für Steuern geschaffen wurden. In solchen Fällen nutzt das Finanzamt den ersten Steuerbescheid für das Jahr der Unternehmensgründung, um neben der Einkommensteuer-Nachzahlung für das abgelaufende Gründungsjahr sogleich eine entsprechende Vorauszahlung in gleicher Höhe für das laufende Jahr festzusetzen.

Beispiel:

Unternehmer X gründete in 2010 sein Unternehmen und erwirtschaftet ein Gewinn in Höhe von 50.000 Euro. Das Finanzamt setzt im Einkommensteuerbescheid 2010 eine Einkommensteuer in Höhe von 10.000 Euro fest und zugleich eine Vorauszahlung für 2011 in Höhe von nochmals 10.000 Euro.

Bei gewerblichen Unternehmen betrifft das nicht nur die Einkommensteuer, sondern auch die Gewerbesteuer. In diesen Fällen ist dringend zu prüfen, ob die festgesetzte Vorauszahlung für das laufende Wirtschaftsjahr den aktuellen Verhältnissen entspricht. Ggf. ist auch hier mit einem Antrag auf Herabsetzung (Muster hier erhältlich) zu reagieren. Ansonsten ist nur zu hoffen, daß der Unternehmer entsprechende Rücklagen für Steuern beiseite gelegt hat.

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