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Auch bei Künstlern mit Einkünften aus selbständiger Tätigkeit ist – wie bei allen anderen Einkunftsarten – das Bestehen einer Gewinnerzielungsabsicht Voraussetzung, dass Verluste anerkannt werden und mit anderen positiven Einkünften verrechnet werden können. Bei Künstlern ist jedoch zu berücksichtigen, dass diese erfahrungsgemäß einen längeren Anlaufzeitraum benötigen, um aus ihrer selbständigen Tätigkeit nachhaltig Gewinne zu erwirtschaften. Dazu gehören insbesondere Autoren, Maler und Musiker.

Gewinnerzielungsabsicht

Wie das FG Baden-Württemberg in einem aktuellen Urteil vom 16.02.2016 (6 K 3472/14) ausführt, versteht man unter Gewinnerzielungsabsicht das Streben nach Betriebsvermögensmehrung in Gestalt eines Totalgewinns. Totalgewinn in diesem Sinne ist das positive Gesamtergebnis des Betriebs von der Unternehmensgründung bis zur Veräußerung,  Aufgabe oder Liquidation (grundlegend dazu auch: Beschluss des Großen Senats des BFH vom 25. Juni 1984, GrS 4/82, BFHE 141, 405, BStBl II 1984, 751, unter C.IV.3.c).

Fehlende Gewinnerzielungsabsicht

Das Bestehen einer Gewinnerzielungsabsicht ist zu verneinen, wenn die Prognose hinsichtlich des zu erwirtschaftenden Totalgewinns negativ ist und der Steuerpflichtige die verlustbringende Tätigkeit nur aus solchen Gründen und Neigungen ausübt, die im Bereich seiner privaten Lebensführung liegen (z.B. BFH-Urteil vom 23. Mai 2007 X R 33/04, BFHE 218, 163, BStBl II 2007, 874). Da es sich hierbei um eine innere Tatsache handelt, muss im im Einzelfall anhand objektiver Umstände auf das Vorliegen oder Fehlen einer Gewinnerzielungsabsicht geschlossen werden (BFH-Urteil vom 23. Mai 1985 IV R 84/82, BFHE 144, 49, BStBl II 1985, 515).

Längere Anlaufzeit bei Künstlern

Besonders zu berücksichtigen ist, dass Künstler erfahrungsgemäß eine längere Anlaufzeit benötigen, um aus ihrer selbständigen Tätigkeit positive Einkünfte zu erwirtschaften. Dies liegt vor allem daran, dass Künstler erst mit zunehmendem Bekanntheitsgrad und entsprechender Resonanz in der Öffentlichkeit erfolgreich werden. Hier dürfen nicht zu strenge Maßstäbe angesetzt werden, vor allem darf nicht aus der Erzielung von Verlusten allein auf das Fehlen der Gewinnerzielungsabsicht gefolgert werden.

Wird allerdings nach einer gewissen – nicht zu kurz bemessenen – Anlaufzeit festgestellt, dass

  • die Erzeugnisse eines Autoren trotz entsprechender Bemühungen zu keinen Gewinnen führen und
  • dass unter den gegebenen Umständen keine Aussicht besteht, ein positives Gesamtergebnis aus der schriftstellerischen Arbeit zu erzielen,

muss aus der weiteren Fortsetzung der verlustbringenden Tätigkeit der Schluss gezogen werden, dass der Schriftsteller fortan nicht mehr zur Gewinnerzielung, sondern nur noch aus persönlichen Gründen tätig ist.

Die in diesem Zusammenhang erzielten Verluste dürfen das Einkommen nicht (mehr) mindern (BFH-Urteil vom 23. Mai 1985 IV R 84/82, BFHE 144, 49, BStBl II 1985, 515). Im Ergebnis kann damit einer schriftstellerischen Tätigkeit während der Anlaufzeit die steuerliche Anerkennung und damit die Berücksichtigung von Verlusten grundsätzlich nicht versagt werden.

Ausnahme bei strukurellen Verlusten

Etwas anderes gilt nach der Rechtsprechung des BFH nur dann, wenn

  • auf Grund der bekannten Entwicklung des Betriebs eindeutig feststeht,
  • dass der Künstler (Autor, Maler, Musiker) von vornherein nicht in der Lage war oder willens war, nachhaltige Gewinne zu erzielen und
  • deshalb nach objektiver Beurteilung von Anfang an keine Einkunftsquelle im Sinne des Einkommensteuerrechts darstellt.

Hier spricht man von strukturellen Verlusten (z.B. BFH-Entscheidungen vom 14. Dezember 2004 XI R 6/02, BFHE 208, 557, BStBl II 2005, 392; vom 23. Mai 2007 X R 33/04, BFHE 218, 163, BStBl II 2007, 874; vom 10. Januar 2012 IV B 137/10, BFH/NV 2012, 732, und vom 10. April 2013 X B 106/12, BFH/NV 2013, 1090).

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