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Auf Basis der aktuellen Berichte in den Medien könnte man meinen, dass die Lieferdienste und Online-Shops für Essen und Lebensmittel das nächste ganz große Ding in der Zukunft werden. Überall schießen neue Firmen, deren Unternehmensgegenstand aus einem Online-Shop mit Lebensmittel oder einem Lieferservice mit Pizza, Sushi & Co. besteht. Und so mancher Aktionär, Investor oder Business-Angel fühlt sich vielleicht gerade animiert, in den neu ausgerufenen Megatrend der nächsten Jahre einzusteigen. Ein aktuelles Beispiel ist das Unternehmen HelloFresh, das seinen Kunden auf Bestellung Kochboxen zuschickt, in denen Rezepte und die passenden Zutaten für entsprechende Mahlzeiten enthalten sind. Der Markt für Lebensmittel aus dem Netz und Essen per Lieferservice scheint gigantisch, aber es gibt dennoch ein paar Fallstricke zu beachten.

Essen per Lieferservice

Essen telefonisch oder online bestellen und per Lieferservice nach Hause kommen lassen ist ja nun keine ausgesprochen neue Idee. Sicher hat jeder schon mal ein Angebot eines solchen Pizza-Lieferservice aus der Nachbarschaft im Briefkasten gehabt und auch ausprobiert. Darüber hinaus gibt es noch etliche bundesweit tätige Pizza-Lieferdienste, wie z.B. Pizza.de. Der Markt ist heiß umkämpft, die Umsätze sind nicht skalierbar und die Margen sind eng. Und dennoch sprechen die Macher gerne davon, dass die Auslieferung von Essen einer der größten Zukunftsmärkte der Welt sei. Die zunehmende Urbanisierung und Zahl der Single-Haushalt spricht sicher für diesen Trend, aber das Konzept ist nur solange erfolgreich, wie das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt und ein zeitlicher Rahmen von etwa 30 bis 45 Minuten von der Bestellung bis zur Auslieferung nicht überschritten wird. Der Aufbau eines funktionierenden Lieferservice mit entsprechender Logistik verschlingt zu Beginn etliche Millionen an Investitionen, die sowohl regional als auch international nur bei den überlebenden Unternehmen zu entsprechenden nachhaltigen Einnahmen führen werden. Mit Joey’s, Lieferando, Lieferheld (Delivery Hero) oder pizza.de agieren schon einige namhafte und bekannte Anbieter in Deutschland, die den Markt bereits unter sich aufgeteilt haben. Und dennoch fließen nach wie vor gewaltige Summen in den Aufbau weiterer Lieferdienste, die sich mit „neuen Ideen oder Varianten“ etablieren wollen, z.B. Deliveroo oder Urban Taste. Für die Aktionäre der Rocket Internet AG ist Delivery Hero z.B. die große Hoffnung, dass mit dem Börsengang in 2015 oder 2016 endlich Geld in die geleerten Kassen der Aktiengesellschaft fließt.

Lebensmittel per Lieferservice

Auch die Auslieferung von Lebensmitteln per Lieferservice ist eigentlich ein alter Hut, aber dank der enormen Marketingkampagnen der bereits bestehenden und neuen Anbieter bekommt man das Gefühl, als würde hier etwas völlig Neues entstehen. Rund 18,5 Prozent der in Deutschland lebenden Personen kaufen bereits online Lebensmittel oder Getränke ein. Dazu zählen frische und abgepackte Lebensmittel (außer Babynahrung), Feinkost und eben Getränke. Damit liegt der Anteil über dem in China oder Japan und etwa auf dem Niveau in den USA. Deutlich verbreiteter ist der Online-Kauf von Essen und Trinken bereits im Vereinigten Königreich, Irland und den nordischen Ländern. Allen Ländern gemein ist, dass der Anteil der Nutzer laut Prognose wachsen wird. In Deutschland liegt der Umsatz im Segment 2015 bei etwa 879 Millionen Euro, für 2020 wird ein Marktvolumen von rund 1,6 Milliarden Euro erwartet.

Infografik: Wer Lebensmittel und Getränke online kauft | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Während ich bei den Lieferdiensten im Bereich der Gastronomie sehr skeptisch bin, was die Erzielung nachhaltiger Gewinne in einem nennenswerten Umfang betrifft, sehe ich beim Lieferservice im Bereich von Lebensmitteln mehr Potential, insbesondere für regionale Unternehmen. Voraussetzung ist jedoch eine konsequente Ausrichtung auf einen Teilbereich, sprich eine Nische.

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